Der Laden wirkt von außen nicht besonders einladend, sogar ein wenig schmuddelig. Es steht Gerümpel auf Gerümpel, jede Ecke ist vollgestopft, und der mürrisch aussehende Besitzer scheint auch nur dann aufzutauchen, wenn die laute Klingel über der Türe einen Besucher ankündigt. Du lässt dich davon aber nicht einschüchtern, deine feinen Sinne scheinen zu vibrieren und während jedem Schritt, den du in den Laden hinein machst, verändert sich deine Umgebung. Der Raum wird größer und heller, Licht kommt aus allen Ecken, in denen Gläser mit bunten Lichtkugeln stehen und die wertlosen Antiquitäten machen alten Büchern, Figuren und allerlei interessanten Spielereien Platz. Du fühlst, wie du langsam in der Spiegelwelt ankommst, als du die Anderen sehen kannst. Da ist der kleine Koboldjunge, der fasziniert einem fadenscheinigen Schmetterling nachschaut, der aus einer hölzernen Box flog und dann verpufft, weiter hinten siehst du die schlanke Gestalt einer Elfe mit ihren typischen spitzen Ohren über einem Buch gebeugt, und der Besitzer verwandelt sich vor deinen Augen vom griesgrämigen Alten in einen freundlich grinsenden Oger, der mit leichtem Lispeln und leuchtenden Augen zu dir schaut. „Es ist endlich da.“ All die Jahre der Suche scheinen sich endlich ausbezahlt gemacht zu haben.

Drachen, Trolle, Gestaltwandler und Nixen. Strahlende Helden, bildschöne Prinzessinnen. Mut, Geschick, Tragödie und Glück. Das alles sind Zutaten, aus denen Märchen und Fabeln, Gedichte und Geschichten gemacht sind.

Doch was passiert, wenn diese Wesen wirklich existieren und versteckt unter uns leben, im hier und jetzt? Wesen, für die Magie zum Alltag gehört wie für uns das Zähneputzen und Schnürsenkelbinden. Die magische Artefakte von Generation zu Generation weitervererben, wenn das haarige Gesicht eines Trolls einen geborenen Drachen schon lange nicht mehr schocken kann.

Was ist, wenn Legenden eigentlich immer einen wahren Kern haben?

Schon seit Jahrhunderten ist Draíocht eine Stadt voller Zauber und seltsamen Erscheinungen. Paranormale Forscher und Geisterjäger werden von der Stadt an der irischen Küste angezogen wie Motten vom Licht, während Einheimische schwören, dass Geister, Feen und andere Kreaturen mitten unter ihnen leben. Gegen jedes böse Wesen gibt es ein Amulett, auf das man schwört, für die guten Geister wird dagegen gerne mal ein Schüsselchen mit Milch auf dem Fensterbrett oder vor der Ladentür bereit gestellt. Touristen strömen aus der ganzen Welt herbei, um selbst zu sehen, was dran ist an Gerüchten über eigenartige Vorfälle und mysteriöse Erscheinungen. Dass es nicht alle Wesen gut mit den Menschen meinen und es vorkommt, dass hin und wieder mal ein Tourist verschwindet und erst Wochen später wieder auftaucht, desorientiert und ohne Gedächtnis, tja, daran scheint sich niemand so wirklich zu stören. Jeder will sie mit eigenen Augen sehen, die spitzen Ohren, die Flügel einer Fee. Jeder will die Magie selbst spüren, die diesen Ort durchdringt. Denn Draíocht ist magisch und zauberhaft, verspielt und verstörend, schön und hässlich zugleich.


Draíocht
that which is unseen


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